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"Wer sich nicht bewegt, der spürt auch seine Fesseln nicht"

Freiheit ist das wohl wertvollste Gut der Menschheitsgeschichte. Für nichts sonst wurde widersprüchlicher und blutiger gekämpft. Freiheit ist jedem wichtig, zumindest wenn man jemanden danach fragt und er der Meinung ist, dass er sie nicht besitzt. Merken tut man das aber irgendwie selten. Viele denken sie seien frei, vielleicht nicht körperlich, aber geistig. Sie denken, sie seien wahnsinnig individuell und murmeln in den Werbepausen zwischen Uri Gellers Mittelalterentertainment und den nächsten kompetenten Kurznachrichten über das Treiben der Welt und die letzten verbleibenden Tabus unserer Geselltschaft unbewusst „die Gedanken sind frei“ mit, was heute als Hintergrundmusik eines E-Mail-Anbieters dient. Über den Inhalt macht sich seit vielen Monden kaum noch einer Gedanken. Frei ist man dennoch. Frei umzuschalten, frei auszuschalten, frei zu glauben und frei zu handeln natürlich ebenfalls. Bestimmt, irgendwie. Doch „wer sich nicht bewegt, der spürt auch seine Fesseln nicht“. Und das gilt sowohl für die Füße, den Mund, als auch den Geist.


Am 20.01.2009 versammelten sich knapp 2 Millionen Menschen in Washington um den Regierungswechsel der Vereinigten Staaten von Amerika zu zelebrieren. In Deutschland ist es kaum vorstellbar für einen Politiker solche Menschenmengen zu begeistern. Zwar fand in Berlin die größte „Obama-Feier“ außerhalb der USA statt, doch für einheimische Politik interessiert sich hierzulande kaum einer. Es ist eine halbe Ewigkeit her, dass in Deutschland nennenswerte Proteste zustande gekommen sind und das mit Sicherheit nicht, weil es keinen Anlass dazu gäbe, denn schätzungsweise 95% der Deutschen antworten auf die Frage, wie ihnen die momentane politische Situation gefällt und was sie an ihr ändern würden mit einem: „is' scheisse, aber kann man eh nichts machen, die da oben machen doch eh was sie wollen!“ Warum wird nicht mal ein Transparent bemalt und auf die Straße gegangen? Aus reiner Gewohnheit und Bequemlichkeit. Die meisten wissen, sie könnten, denn die Freiheit besäße man theoretisch, doch wahrgenommen wird sie trotzdem nicht. Man verlässt sich auf die Sicherheitsversprechen irgendwelcher neuen Anti-Terror-Gesetze und merkt dabei nicht, dass sie genau das zerstören, weswegen unsere Demokratie zurecht verteidigt werden sollte. Immer unter dem Gedanken „ich habe nichts zu verbergen“ und das so lange, bis einem die Fesseln so eng geschnürt sind, dass man sich nicht bewegen könnte, selbst wenn man wollte.

Wer nun tatsächlich zu schüchtern oder faul ist, seine Freiheit physisch zu genießen und eventuell seinem Unmut dadurch Aufmerksamkeit zu verschaffen, könnte dennoch mal etwas konstruktives beifügen, denn schließlich darf man seine Meinung immer sagen, oder? Das habe ich doch schon früh in der Schule gelernt: „Ja, natürlich darfst du deine Meinung sagen, aber für mich ist die Diskussion jetzt beendet und wenn du weiter darüber reden möchtest, geh bitte raus“, hieß es dann meist. Als ich dann draußen war haben mir verdächtig wenig zugehört und passiert ist auch nichts. Trotz der alten Phrase „jeder hat ein Recht auf freie Meinungsäußerung“ traut sich kaum einer dazu. Verbale Grenzgänge sind selbst im 21ten Jahrhundert noch extrem selten. Zuletzt versuchte dies eine Schriftstellerin und Moderatorin namens Charlotte Roche mit ihrem Buch „Feuchtgebiete“ sehr erfolgreich. Es scheint sich also zu rentieren, doch den Mut dazu haben beispielsweise in der modernen Medienwelt wenige. Es wird immernoch mit seinem Diskussionspartner rhetorisch herumgekuschelt, anstatt ihm seine Meinung klar und deutlich zu erläutern. Durch schlichte Tollpatschigkeit entstandene Tabubrüche können einem bereits öffentlich das Genick brechen. Aktuelle Beispiele wären da z.B.: Andrea Ypsilanti, Eva Herman, Johannes Heesters, Prinz Harry und viele mehr. Jeder von ihnen hat einmal mehr geredet, als sie gedacht haben. Ohne nun mit ihnen sympathisieren zu wollen, sollte man differenzieren zwischen bewusst rechter Propaganda und schlichter Inkompetenz, wie bei den eben Aufgezählten Personen. Wie frei man nun aber in seinen Äußerungen ist, sah man am wirkungsvollsten bei Eva Hermans Rauswurf in der Johannes b. Kerner Show. Da stelle man sich wirklich die Frage, was man denn bitte noch sagen dürfe und was nicht. Und wie weit diese „Meinungsfreiheit“, von der überall die Rede ist, tatsächlich geht. Unsere Gesellschaft kennt kaum noch Tabus, doch wenn eines der wenigen tatsächlich mal erwischt wird, dann knallt es. Meist aber leise und erst durch Dritte wirklich hörbar, denn Kritik in die Augen des Betroffenen scheint in gewisser Weise auch eine Art Tabubruch zu sein. Höflichkeit steht an höchster Stelle und Höflichkeit lässt sich mit Ehrlichkeit nicht kombinieren. So entsteht ein bewegungsloser Trott von halbherzigen Diskussionen. Es wird gedacht, man stellt sich einer brisanten Konfrontation in irgendeiner Talkshow öffentlich rechtlicher Sender und ist nun ein total mutiger und scharfsinniger Revolutionär, obwohl man sich während dessen ständig in einem fest eingetrichterten Rahmen von „das sagt man nicht“, „danach hat dich keiner mehr gern“ und gezieltem Populismus bewegt. Nur wer von seiner eigenen Meinung wirklich überzeugt und gefesselt ist, sprengt die Fesseln dieses Rahmens und ist in der Argumentation frei und beweglich.

Nun gibt es noch die, die zu faul, schüchtern, ängstlich oder unfähig sind, durch ihr Reden oder ihre Handlungen zu vermitteln. Diese Gruppe ist wahrscheinlich die größte von allen. Die meisten werden in diese Situation hinein geboren oder es ist das Resultat der Erziehung. Man kann dies besonders gut bei Religionen jeglicher Art beobachten. Während man sich bei allen anderen Ansichten und Themen im Prinzip denken kann, was man möchte, lässt eine Religion nicht einmal das zu. Man steht ständig unter einer Beobachtung, von der Wolfgang Schäuble nur träumen kann, denn alleine ein lüsterner Blick beispielsweise ist bereits in vielen eher radikaleren Glaubensideen eine Sünde. Einer dieser Hardliner ist Wolfhart Margus, Leiter einer radikal christlichen Gemeinte in Berlin, welcher in seinem Lehrbuch auch gerne mal „Lust, Faulheit, intelektuelle Strebsamkeit, Depression Selbstmordgedanken und Homosexualität“ als dämonisch bezeichnet. Ein Kind, welches von Beginn seines Lebens an auf solche Werte geeicht wird, kennt keine geistige Freiheit. Und dazu muss man nicht einmal ein so Extremes Beispiel zuziehen. Auch eine softere religiöse Erziehung macht viel individuelles Gedankengut bereits im Keim zu Nichte. Wer lässt sich denn auch auf gedankliche Grenzgänge ein, wenn er weiß, dass dort jemand zuhört, der ihn dafür früher oder später das Fegefeuer vor die Nase hält. Das wär doch schön blöd! Nun beginnt jede Bewegung aber im Kopf und wenn man einem dort bereits das lähmende Gift der Angst und der Demut vor einer unbekannten Macht verabreicht, ist jegliche Hoffnung auf Bewegung vergebens.


Zusammenfassend kann man sagen, dass es viele verschiedene Interpretationen von Freiheit gibt. Natürlich besitzt jeder die Freiheit zur Faulheit, Verschwiegenheit oder auch zur Dummheit, doch sollte man sich immer im klaren sein, dass Freiheit, wie Jean Paul schon sagte, das einzige Gut ist, dass sich durch das verwenden vermehrt und durch das nicht benutzen abnimmt. Wir leben in einer freieren Gesellschaft, als es viele Generationen vor uns getan haben, doch dies ist kein Grund sich darauf auszuruhen, denn das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Unsere Ketten sind nicht mehr nur noch die Intoleranz anderer, sondern eher unsere Bequemlichkeit und unsere Sucht nach Anerkennung. Oft ist es aber gesund und ich kann aus eigener Erfahrung sagen verdammt amüsant, bewusst gegen diese eingetrichterten Grenzen vorzugehen und sein leben religionsfrei, tabubrechend, arrogant und bewegend zu bestreiten.

-Veto


25.3.09 17:09


Timmys Paradoxon
Während Timmy aus Protest die Musikanlage lauter dreht, schüttelt sein Vater nur verständnislos den Kopf. „Verzogenes Gör, hört hier auf seiner 350€ Anlage diesen Gangsterdreck über klauen bei Kik und Drogenhandel und möchte unbedingt auch noch den neusten MP3-Player. Wie undankbar“, brummt er den monoton wirkenden Beats irgendeines Vorstadtkriminellen zu, den sein Sprößling durch den Klick auf seine MySpace-Seite zum ganz großen Geld verhelfen soll. So wollte er ihn nicht erzogen haben. Timmy sollte eigentlich doch zu schätzen wissen, was er bekommt und dankbar sein.
Zwei Stunden zuvor sind Timmy und sein Erzeuger durch die Stadt getrottet und standen mit einem Chickenburger von McDonalds' bestimmt gute 1,5 Minuten vor eines dieser Werbeplakate, die derzeit ihre Heimatstadt so überfluten. Abgebildet war eine schwarze Person. Keiner von ihnen weiß noch, ob sie männlich oder weiblich war. Geschweige denn ihr Alter. Das verlieh den Vater dazu, Timmy ein wenig über die Welt und ihre Ungerechtigkeit aufzuklären. „Da, das ist wirkliche Armut! Diese Menschen sind Arm, nicht deine komischen Rapper, die über irgendwelche Ghettos quatschen! Diese Leute da leben in Wellblechhütten und haben kein Geld für Nahrung oder Medikamente! Alle paar Sekunden verhungert ein Kind dort“, der Vater schnipste kurz mit seinen etwas fettigen Fingern, als wollte er mit seinem Chickenburger einen philanthropischen Grotesksong anstimmen, „und du beschwerst dich über Ghettos in Deutschland und darüber, dass du irgendeinen iPod haben willst! Diese Leute da“, er zeigt auf das Gesicht des zweidimensionalen Gegenübers, „die haben Probleme! Behalte ihn immer im Blick, wie schlecht es ihm im Gegensatz zu dir geht!“ Leicht demütig nickt Timmy und sie gehen weiter. Dann sprudelte eine Phrase aus ihm heraus, die für jedes Elternteil ein rotes Tuch zu sein scheint. Kontrolliert sprach er es nicht aus und nachgedacht hat er vorher auch nicht. Nur ein paar Reste des Burgers behinderten ihn beim reden, was ungewohnt war, denn er spricht sonst nie mit vollem Mund. „Aber meine Freunde haben alle einen iPod. Dann kann ich auf dem Weg zur Schule Musik hören und so...“, schmatzte der dumme Tölpel. Als hätte sein Vater auf dieses Argument nur gewartet, donnerte er voller Elan seinem Sohn entgegen: „Ach! Und wenn deine Freunde vom Hochhaus springen, springst du auch?“, den zweiten Teil des Arguments komplett ignorierend fuhr er fort, „nur, weil deine Freunde so ein Teil besitzen, heißt es nicht, dass du das auch brauchst. Sei mal bisschen eigenständiger! Du bist doch immer so auf deine eigene Meinung verharrt! Lass deinen Blick bei dir und sei du selbst!“
Verwirrt und etwas beleidigt von der energischen Antwort des Vaters tapste Timmy stumm nach Hause und drehte seine Anlage voll auf, um ein paar Texte aus seinem Leben zu hören.

-Veto

24.3.09 17:06





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